Ann-Katrin Zimmermann

 

 

Studien zur mittelalterlichen Dreistimmigkeit

 

2008. X, 536 S. mit zahlreichen Abbildungen und Notenbeispielen. gr-8°. Leinen. (Tübinger Beiträge zur Musikwissenschaft; Bd. 29).       

978 3 7952 1245 2

€ 78.-

 

    Anliegen dieser Arbeit ist es, zu zeigen, welche grundsätzlichen Möglichkeiten die Dreistimmigkeit im Kontext abendländischer, mehrstimmiger, schriftlicher Musikkultur vor dem Hintergrund schriftloser Musizierformen und des ein- und zweistimmigen Repertoires bietet und auf welche Weise sie im ersten Repertoire, das uns dreistimmige Stücke in großer Zahl schriftlich überliefert, dem sogenannten Notre Dame-Repertoire, verwirklicht werden.

     Die Entstehung und Entwicklung artifizieller Dreistimmigkeit steht in engster Verbindung und ständiger Wechselwirkung zu derjenigen einer Schrift und einer zeitlich messenden Ordnung von Musik. Verknüpft mit dem Spektrum differenzierter Satztypen, welche die Dreistimmigkeit bereitstellt, ist die Herausbildung nach musikalischen Kriterien definierter Gattungen; Momente formaler Gestaltung lösen sich, begünstigt durch Möglichkeiten der Dreistimmigkeit, von den Vorgaben transportierter Texte. Die Schriftlichkeit ermöglicht darüber hinaus andere, komplexere Strukturen, bringt ganz eigene Phänomene hervor und fördert das Experimentieren mit verschiedenen Lösungen zu einer Ausgangssituation, wie sie echte Mehrstimmigkeit hervorbringt, die bis zu einem gewissen Grad eigenständig geführten Stimmen Entscheidungsfreiheiten lässt.

   Untersucht wird, inwiefern sich mittelalterliche Dreistimmigkeit wesentlich den Möglichkeiten schriftlichen Komponierens dankt. Auf der anderen Seite legt die Arbeit das Fortwirken schriftloser Praxis in bestimmten Satzarten offen. Dabei gilt neben den notenschriftlichen Quellen besonderes Interesse der theoretischen Auseinandersetzung der Zeit, die sich ihrerseits mit der Dreistimmigkeit vor ganz neue Herausforderungen gestellt sieht. Im Zentrum der Arbeit steht die Musik des Notre Dame-Repertoires; als Ausgangspunkt dienen frühere Zeugnisse wie der Traktat des Anonymus de la Fage und das „Congaudeant catholici“ des Codex Calixtinus, je ein Ausblick widmet sich früher Vierstimmigkeit, der Musik des italienischen Trecento und den Contrapunctus-Lehren des 15. Jahrhunderts.

 

 

   

 

VERLEGT BEI HANS SCHNEIDER  ·  D – 82323 TUTZING